Schießscheibe auswerten: So berechnest du deine Ringzahl

28. Februar 2026 · 5 Min. Lesezeit

Wenn du nach einer Serie deinen Scheibenstreifen vom Zugapparat holst, willst du sofort wissen, was du geschossen hast. Die meisten Schützen zählen die Ringe mit bloßem Auge ab. Wer seine Ergebnisse in Dezimalwertung kennt, sieht erst die echten Unterschiede zwischen seinen Schüssen.

Was ist Dezimalwertung?

Beim klassischen Auswerten sagst du: „Das ist eine Neun” oder „Das ist eine Zehn.” Ganze Ringzahlen reichen im Training vielleicht, aber sie verschleiern, wie knapp ein Schuss war. Lag die Zehn gerade so auf der Linie, oder war es ein satter Zehner mitten im Zentrum? Bei ganzen Ringen erkennst du das nicht.

Dezimalwertung löst dieses Problem. Der Schuss wird auf ein Zehntel genau bewertet, also zum Beispiel 10,3 statt nur 10. Ein Schuss mit 10,7 lag deutlich näher am Zentrum als einer mit 10,1, und das siehst du sofort an der Zahl.

Die ISSF (International Shooting Sport Federation) nutzt Dezimalwertung im Wettkampf, weil damit Gleichstände praktisch ausgeschlossen sind. Statt „beide haben 104 Ringe” heißt es dann 104,3 gegen 103,8, und der Sieger steht fest.

Wichtig dabei: Gewertet wird die Außenkante des Geschosses. Ein 4,5-mm-Diabolo hat einen Radius von 2,25 mm. Wenn die Außenkante die Ringlinie berührt oder überschreitet, bekommt der Schuss den höheren Wert. Bei einem randnahen Schuss entscheidet diese Regel darüber, ob er noch als Zehn zählt oder schon als Neun.

So wertest du von Hand aus

Wer es genau wissen will, kann seine Scheiben auch ohne Elektronik auswerten. Das Ergebnis ist überraschend präzise, wenn du sorgfältig arbeitest. So gehst du vor:

  1. Scheibe gegen Licht halten. Halte den Streifen vor eine Lampe oder ein Fenster. Das Geschossloch wird als heller Punkt sichtbar und du kannst den Durchschlag sauber erkennen.
  2. Abstand messen. Miss mit einem Schusswertungsschieber oder einem feinen Lineal den Abstand vom Mittelpunkt der Scheibe zum Mittelpunkt des Geschosslochs. Beim Luftgewehr ist der Ring 10 winzig, sein Durchmesser beträgt nur 0,5 mm, und jeder weitere Ring ist 2,5 mm breit. Bei der Luftpistole ist die Zehn großzügiger: 11,5 mm Durchmesser, und jeder weitere Ring misst 8,0 mm.
  3. Außenkante einrechnen. Weil die Außenkante des Geschosses zählt, reicht jeder Ring um den halben Geschossdurchmesser weiter nach außen, als die gedruckte Linie zeigt. Beim Luftgewehr sind das 0,25 mm Radius des Zehnerrings plus 2,25 mm Radius des Diabolos: Die Zehn reicht bis 2,5 mm vom Zentrum. Danach folgt alle 2,5 mm der nächste Ring, die Neun endet also bei 5,0 mm und die Acht bei 7,5 mm.
  4. Zehntel ablesen. Innerhalb eines Rings ist jedes Zehntel 0,25 mm breit. Bis 0,25 mm ist der Schuss eine 10,9, bis 0,5 mm eine 10,8, und bis 2,5 mm bleibt es eine 10,0. Innenzehner ist beim Luftgewehr jeder Schuss bis 2,0 mm vom Zentrum, also ab 10,2. Auf der Luftpistolenscheibe reicht die Zehn bis 8,0 mm, und ein Zehntel sind 0,8 mm. Die fertigen Tabellen für beide Scheiben stehen in der Luftgewehr Teiler-Tabelle und der Luftpistole Teiler-Tabelle.

Das funktioniert gut für einen einzelnen Schuss. Aber spätestens bei einer kompletten 10-Schuss-Serie wird es mühsam. Zehnmal messen und rechnen, und im Verein wartet schon der nächste Schütze auf den Zugapparat. In der Praxis macht das kaum jemand regelmäßig.

Automatisch auswerten mit Ring Reader

Genau dafür gibt es Ring Reader. Die Web-App läuft direkt im Browser auf deinem Smartphone, du musst nichts installieren. So geht’s:

  1. Öffne ringreader.app auf deinem Handy.
  2. Fotografiere deinen Scheibenstreifen. Leg den Streifen auf ein weißes Blatt Papier, mit Licht von oben und ohne Gegenlicht. So heben sich die Schusslöcher klar vom Papier ab. Ring Reader erkennt den kompletten Streifen mit allen Scheiben in einem Bild.
  3. Ergebnisse ablesen. Nach wenigen Sekunden siehst du für jede Scheibe die Dezimalwertung, den Teiler, den Streukreis und die mittlere Treffpunktlage (MPI). Die gesamte Serie wird automatisch zusammengefasst.

Ring Reader erkennt im Foto Luftgewehr 10 m, Luftpistole 10 m, Kleinkaliber 50 m und Pistole 50 m, jeweils auch als Auflage-Scheibe. Papierscheiben wertet die App direkt auf deinem Gerät aus, das Foto bleibt auf dem Handy. Fotos von Ergebnisausdrucken und Standanzeigen gehen dagegen zur Texterkennung an den Server. Zum Scannen brauchst du kein Konto und keinen Download, und bis zu zehn Ergebnisse bleiben ohne Pro auf dem Gerät. Worauf es beim Vergleich von Apps sonst noch ankommt, steht in Schießscheiben-Auswertung per App.

Ich nutze Ring Reader selbst nach jedem Training, um meine Ergebnisse festzuhalten. Es spart Zeit, und ich habe eine Historie aller Trainingsserien auf dem Handy. Wenn ich nach drei Wochen wissen will, ob sich mein Streukreis verbessert hat, schaue ich nach.

Was ist der Teiler?

Neben der Dezimalringzahl gibt es noch eine zweite Kennzahl, die in deutschen Vereinen weit verbreitet ist: den Teiler. Der Teiler misst den Abstand des Schusses vom Scheibenmittelpunkt in einer eigenen Einheit:

1 Teiler = 0,01 mm

Ein Schuss, der 2,50 mm neben dem Zentrum liegt, hat also 250 Teiler. Je kleiner der Teiler, desto besser der Schuss. Die Teiler-Einheit wird auch von elektronischen Schießanlagen verwendet. Viele Vereine führen Teiler-Ranglisten, und für Bestenlisten ist der Teiler oft die entscheidende Größe.

Der Vorteil gegenüber der reinen Ringzahl: Zwei Schüsse können beide eine 10,0 sein, der eine liegt bei 230 Teilern, der andere bei 250 und damit gerade noch auf der Linie. Auf der Luftgewehrscheibe reicht die 10,0 von 225,1 bis 250,0 Teiler. Der Teiler macht diesen Unterschied sichtbar.

Ring Reader zeigt den Teiler automatisch zu jedem Schuss an. Du brauchst nichts umzurechnen, die App erledigt das bei der Auswertung.

Fazit

Dezimalwertung und Teiler verraten dir deutlich mehr über dein Schießen als ganze Ringzahlen. Ob du von Hand auswertest oder Ring Reader nutzt: Wichtig ist, dass du die Präzision deiner Ergebnisse ernst nimmst. Nur so erkennst du, ob dein Training Fortschritte bringt oder ob du seit Wochen auf der Stelle trittst.

Wenn du bisher nur ganze Ringe gezählt hast, probier einmal Dezimalwertung aus. Schüsse, die vorher alle „Zehn” hießen, bekommen dann jeder einen eigenen Wert zwischen 10,0 und 10,9.

Probier es selbst aus, direkt im Browser und ohne Download. Ring Reader öffnen

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