Schießscheibe auswerten: So berechnest du deine Ringzahl
Wenn du nach einer Serie deinen Scheibenstreifen vom Zugapparat holst, willst du sofort wissen, was du geschossen hast. Die meisten Schützen zählen die Ringe mit bloßem Auge ab — aber wer seine Ergebnisse in Dezimalwertung kennt, sieht erst die echten Unterschiede zwischen seinen Schüssen.
Was ist Dezimalwertung?
Beim klassischen Auswerten sagst du: „Das ist eine Neun" oder „Das ist eine Zehn." Ganze Ringzahlen reichen im Training vielleicht, aber sie verschleiern, wie knapp ein Schuss wirklich war. Lag die Zehn gerade so auf der Linie, oder war es ein satter Zehner mitten im Zentrum? Bei ganzen Ringen erkennst du das nicht.
Dezimalwertung löst dieses Problem. Der Schuss wird auf eine Zehntelringzahl genau bewertet — also zum Beispiel 10,3 statt nur 10. Ein Schuss mit 10,7 lag deutlich näher am Zentrum als einer mit 10,1, und das siehst du sofort an der Zahl.
Die ISSF (International Shooting Sport Federation) nutzt Dezimalwertung im Wettkampf, weil damit Gleichstände praktisch ausgeschlossen sind. Statt „beide haben 104 Ringe" heißt es: 104,3 gegen 103,8 — und es gibt einen klaren Sieger.
Wichtig dabei: Nicht der Mittelpunkt des Geschosslochs zählt, sondern die Außenkante des Geschosses. Ein 4,5-mm-Diabolo hat einen Radius von 2,25 mm. Wenn die Außenkante die Ringlinie berührt oder überschreitet, bekommt der Schuss den höheren Wert. Das macht bei randnahen Schüssen oft einen ganzen Zehntelring Unterschied.
So wertest du von Hand aus
Wer es genau wissen will, kann seine Scheiben auch ohne Elektronik auswerten. Das Ergebnis ist überraschend präzise, wenn du sorgfältig arbeitest. So gehst du vor:
- Scheibe gegen Licht halten. Halte den Streifen vor eine Lampe oder ein Fenster. Das Geschossloch wird als heller Punkt sichtbar und du kannst den Durchschlag sauber erkennen.
- Abstand messen. Miss mit einem Schusswertungsschieber (oder einem feinen Lineal) den Abstand vom Mittelpunkt der Scheibe zum Mittelpunkt des Geschosslochs. Beim Luftgewehr ist der Ring 10 winzig — der Innendurchmesser beträgt nur 0,5 mm. Jeder Ringband ist 2,5 mm breit. Bei der Luftpistole ist die Zehn großzügiger: 11,5 mm Innendurchmesser, und jedes Ringband misst 8,0 mm.
- Halben Geschossdurchmesser abziehen. Dein Diabolo hat 4,5 mm Durchmesser, also ziehst du 2,25 mm vom gemessenen Abstand ab. Damit bestimmst du, wo die Außenkante des Geschosses liegt — und genau das ist der wertungsrelevante Punkt.
- Ring ablesen. Schau, in welchen Ring der korrigierte Abstand fällt. Beim Luftgewehr bedeutet ein Abstand von 0 bis 0,25 mm eine glatte 10,9 (Innenzehn). Zwischen 0,25 mm und 2,75 mm liegst du irgendwo in der 10 — genauer gesagt ergibt sich die Dezimalstelle aus der Position innerhalb des 2,5-mm-Bandes.
Das funktioniert gut für einen einzelnen Schuss. Aber spätestens bei einer kompletten 10-Schuss-Serie wird es mühsam. Zehn Mal messen, rechnen, notieren — und im Verein wartet schon der nächste Schütze auf den Zugapparat. In der Praxis macht das kaum jemand regelmäßig.
Automatisch auswerten mit Ring Reader
Genau dafür gibt es Ring Reader. Die Web-App funktioniert direkt im Browser auf deinem Smartphone — du musst nichts installieren. So geht's:
- Öffne ringreader.app auf deinem Handy.
- Fotografiere deinen Scheibenstreifen. Am besten hältst du den Streifen gegen eine Lichtquelle (Fenster, Lampe, Bildschirm). Das Gegenlicht sorgt dafür, dass die Geschosslöcher klar vom Papier zu unterscheiden sind. Ring Reader erkennt den kompletten Streifen mit allen Scheiben in einem Bild.
- Ergebnisse ablesen. Nach wenigen Sekunden siehst du für jede Scheibe die Dezimalwertung, den Teiler, den Streukreis und die mittlere Treffpunktlage (MPI). Die gesamte Serie wird automatisch zusammengefasst.
Ring Reader unterstützt Luftgewehr 10 m und Luftpistole 10 m nach ISSF-Regeln. Die Auswertung läuft komplett auf deinem Gerät — es werden keine Bilder auf einen Server hochgeladen. Die App ist kostenlos nutzbar, und du brauchst weder einen Account noch einen Download.
Ich nutze Ring Reader selbst nach jedem Training, um meine Ergebnisse festzuhalten. Es spart nicht nur Zeit, sondern ich habe auch eine Historie aller Trainingsserien auf dem Handy. Wenn ich nach drei Wochen wissen will, ob sich mein Streukreis verbessert hat, schaue ich einfach nach.
Was ist der Teiler?
Neben der Dezimalringzahl gibt es noch eine zweite Kennzahl, die in deutschen Vereinen weit verbreitet ist: den Teiler. Der Teiler misst den Abstand des Schusses vom Scheibenmittelpunkt in einer eigenen Einheit:
1 Teiler = 0,01 mm
Ein Schuss, der 2,50 mm neben dem Zentrum liegt, hat also 250 Teiler. Je kleiner der Teiler, desto besser der Schuss. Die Teiler-Einheit wird auch von elektronischen Schießanlagen verwendet. Viele Vereine führen Teiler-Ranglisten, und für Bestenlisten ist der Teiler oft die entscheidende Größe.
Der Vorteil gegenüber der reinen Ringzahl: Zwei Schüsse können beide eine 10,0 sein — aber der eine liegt bei 5 Teilern (fast perfekt mittig), und der andere bei 25 Teilern (gerade so auf der Linie). Der Teiler macht diesen Unterschied sichtbar.
Ring Reader zeigt den Teiler automatisch zu jedem Schuss an. Du brauchst nichts umzurechnen — die App erledigt das direkt bei der Auswertung.
Fazit
Dezimalwertung und Teiler verraten dir deutlich mehr über dein Schießen als ganze Ringzahlen. Ob du von Hand auswertest oder Ring Reader nutzt — wichtig ist, dass du die Präzision deiner Ergebnisse ernst nimmst. Nur so erkennst du, ob dein Training wirklich Fortschritte bringt oder ob du seit Wochen auf der Stelle trittst.
Wenn du bisher nur ganze Ringe gezählt hast: Probier einmal Dezimalwertung aus. Du wirst überrascht sein, wie unterschiedlich Schüsse sind, die vorher alle „Zehn" hießen.
Probier es selbst aus — kostenlos und ohne Download.
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