Warum bei Meyton so oft ein 0,0-Teiler steht

19. September 2026 · 6 Min. Lesezeit

In einer Facebook-Gruppe kam neulich die Frage auf, warum auf Meyton-Ergebnislisten so oft ein 0,0-Teiler steht. Wer auf Papier schießt, sieht Teiler unter 2 selten, aber bei Preisschießen auf Meyton-Anlagen haben die ersten drei Plätze oft eine 0,0 als besten Teiler. Der Fragesteller hatte nachgerechnet: Wenn eine Anlage Schüsse auf 0,1 Teiler genau messen würde und ein Schütze jeden Schuss irgendwo in die 10,9 setzen würde, dann ist die Wahrscheinlichkeit für einen 0,0-Teiler 1:62.500. Diese Rechnung geht von einem Kreis mit 0,1 Teiler Radius aus. Bei Meyton ist die Fläche für eine 0,0 größer, und das hängt damit zusammen, wie Meyton-Anlagen den Teiler bilden.

Wie Meyton den Teiler bildet

Der Meyton-Support hat die Rechnung in einer E-Mail erklärt, die 2019 im Forum der Meisterschützen (öffnet in neuem Tab) zitiert wurde. Meyton benutzt ein kartesisches Koordinatensystem mit einer Messauflösung von 1/100 mm, der Ursprung liegt im Mittelpunkt der Scheibe, und der Teiler wird mit dem Satz des Pythagoras berechnet. Was der Teiler misst und wie daraus das Zehntel wird, steht in Teiler und Ringwert.

Im XML-Export von Meyton stehen die beiden Koordinaten als ganze Zahlen mit dem Vermerk Resolution="100", also in Hundertstelmillimetern. Ein Schuss mit X = 103 und Y = 55 saß 1,03 mm und 0,55 mm von der Mitte entfernt. Für dieses Beispiel ergibt √(103² + 55²) den Wert 116,77. Im Export steht als Teiler 116, gerundet wären es 117. Das gilt für jeden Schuss in den Meyton-Exporten, die ich geprüft habe: Wo Abschneiden und Runden verschiedene Teiler ergeben, steht im Export der abgeschnittene. Auf dem Ausdruck steht der Teiler mit einer Nachkommastelle, hier 116,7, und auch diese Stelle wird abgeschnitten und nicht gerundet.

Welche Teiler Meyton drucken kann

Weil beide Koordinaten ganze Hundertstel sind, kommen nur bestimmte Abstände vor. Ein Schuss bei (1 | 0) ist genau ein 1-Teiler. Einer bei (1 | 1) ist ein √2 = 1,41-Teiler und steht als 1,4 auf dem Ausdruck. Zwischen 0 und 1 gibt es keinen Wert, und darauf weist auch der Meyton-Support in seiner E-Mail hin. Unter einem 10-Teiler sind das alle, die Meyton drucken kann:

Teilermögliche Werte auf dem Ausdruck
unter 10,0
1 bis unter 21,0 · 1,4
2 bis unter 32,0 · 2,2 · 2,8
3 bis unter 43,0 · 3,1 · 3,6
4 bis unter 54,0 · 4,1 · 4,2 · 4,4
5 bis unter 65,0 · 5,3 · 5,6 · 5,8
6 bis unter 76,0 · 6,3 · 6,4 · 6,7
7 bis unter 87,0 · 7,2 · 7,6 · 7,8
8 bis unter 98,0 · 8,2 · 8,4 · 8,5 · 8,6 · 8,9
9 bis unter 109,0 · 9,2 · 9,4 · 9,8

Unter einem 5-Teiler sind nur 13 der 50 Zehntel belegt. Weiter außen liegen die Werte dichter, und oberhalb eines 40-Teilers fehlt kaum noch einer.

In der Tabelle steckt auch das Abschneiden. Ein Schuss bei (3 | 1) ist ein √10 = 3,16-Teiler und steht als 3,1 auf dem Ausdruck. Mit Runden stünde dort 3,2, und diesen Wert gibt es in der Tabelle nicht. Auf deinen eigenen Meyton-Ausdrucken findest du bei kleinen Teilern Werte wie 3,1 oder 4,4, eine 3,2 oder 4,5 wirst du dort nicht finden.

Warum die 0,0 so oft vorkommt

Eine 0,0 bekommt jeder Schuss, dessen Koordinaten beide zu 0 werden. Der Support nennt (0/0) in seiner E-Mail einen perfekten Treffer. Ob Meyton die Koordinaten dafür abschneidet oder rundet, schreibt er nicht. In Meyton-Exporten kommt die 0 als Koordinate etwa doppelt so oft vor wie die 1 oder die 2, und das passt zum Abschneiden. Dann wird ein Schuss, der 0,009 mm rechts und 0,009 mm über der Mitte sitzt, zu (0 | 0) und steht als 0,0 auf dem Ausdruck. Sein Abstand zur Mitte ist √(0,9² + 0,9²) = 1,27 Teiler. Alles in einem Quadrat von 0,02 × 0,02 mm um die Mitte wird zur 0,0, und in den Ecken dieses Quadrats liegt ein Schuss bis zu 1,41 Teiler neben der Mitte.

Nimm den Schützen aus der Rechnung von oben, der jeden Schuss irgendwo in die 10,9 setzt. Die 10,9 ist beim Luftgewehr ein Kreis mit 25 Teilern Radius, mehr dazu in der Luftgewehr Teiler-Tabelle. Das Quadrat für die 0,0 hat 2 Teiler Kantenlänge und deckt einen von 491 Teilen dieses Kreises ab. Bei Meyton ist also etwa jeder 490. Schuss in der 10,9 eine 0,0. Das Quadrat ist 127-mal so groß wie ein Kreis mit 0,1 Teiler Radius. Auf einer Papierscheibe ist ein Teiler bis 1,13 genauso häufig, denn ein Kreis mit diesem Radius hat dieselbe Fläche wie das Quadrat.

Sollte Meyton die Koordinaten runden, wäre das Quadrat nur 1 Teiler breit, und die 0,0 käme bei jedem 1.963. Schuss in der 10,9. Auch das ist noch 32-mal so oft wie bei einer Messung mit einer Genauigkeit von 0,1 Teilern.

Je mehr Schüsse in der 10,9 landen, desto öfter steht irgendwo eine 0,0. Ab etwa 500 Schüssen in der 10,9 ist eine 0,0 im Schnitt zu erwarten, bei 1.500 sind es drei. Der Meyton-Support führt die Zunahme der perfekten Schüsse in derselben E-Mail auch auf präzisere Waffen und Munition zurück. Das erhöht den Anteil der Schüsse in der 10,9 und damit auch die Zahl der 0,0-Teiler.

Warum eine 0,0 trotzdem einen Pfeil hat

Bild: eigener Meyton-Ausdruck mit einer 0,0 in der Teiler-Spalte und dem Richtungspfeil daneben

Auf vielen Meyton-Ausdrucken steht neben jedem Schuss ein Pfeil, der die Richtung der Abweichung zeigt, auch neben einer 0,0. Aus (0 | 0) lässt sich keine Richtung ablesen. Ich lese das so: Meyton rechnet intern mit Nachkommastellen und schneidet erst für Anzeige, Ausdruck und Export auf ganze Hundertstel ab. Der Pfeil kommt dann aus dem Wert vor dem Abschneiden. Eine Bestätigung von Meyton habe ich dafür nicht.

Was das für Königs- und Preisschießen heißt

Meyton gibt für den Messrahmen eine Genauigkeit von mindestens 1/10 Millimeter (öffnet in neuem Tab) an, das ist ein 10-Teiler. Der Unterschied zwischen einer 0,0 und einer 1,4 liegt also weit unter dieser Toleranz. In die Rangliste geht trotzdem der gedruckte Wert, und bei mehreren 0,0 entscheidet die Ausschreibung. Üblich sind der zweitbeste Teiler oder ein Stechen.

Häufige Fragen

Ist eine 0,0 bei Meyton ein Schuss genau in die Mitte?

Die 0,0 heißt, dass der Schuss auf beiden Achsen weniger als 0,01 mm von der Mitte entfernt lag. Das reicht bis zum 1,41-Teiler. Genau in der Mitte sitzt davon kaum einer.

Welche Teiler unter 5 kann Meyton drucken?

0,0 · 1,0 · 1,4 · 2,0 · 2,2 · 2,8 · 3,0 · 3,1 · 3,6 · 4,0 · 4,1 · 4,2 · 4,4. Andere Werte gibt es in diesem Bereich nicht, weil Meyton die Lage in ganzen Hundertstelmillimetern ausgibt und den Teiler abschneidet.

Wie genau misst eine Meyton-Anlage?

Meyton gibt eine Genauigkeit von mindestens 1/10 mm an, also einen 10-Teiler. Die Messauflösung beträgt nach Auskunft des Meyton-Supports 1/100 mm, das ist ein 1-Teiler.

Wie du deine Ergebnisse von Meyton-Anlagen (Ausdrucke, PDFs und QR-Codes) in Ring Reader importieren kannst, steht in Meyton-Ergebnisse importieren.

Importiere deine Meyton-Ergebnisse und sieh jeden Teiler in deinem Trainingstagebuch.

Los geht’s