Was der mittlere Treffpunkt über deine Technik verrät

6. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Zusammenfassung: Der mittlere Treffpunkt (MTP oder englisch MPI: mean point of impact) ist der Durchschnitt aller Schusspositionen einer Serie, dargestellt als ein einzelner Punkt auf der Scheibe. Liegt er neben der Mitte, ist die ganze Serie nicht zentriert, egal wie eng sie ist. Ob das Visier oder die Technik dahintersteckt, sagt eine einzelne Serie nicht. Der Verlauf über Wochen schon. Ring Reader zeigt ihn dir in der Ansicht „MPI-Abweichung“.

Ein Punkt, zwei Zahlen

Ring Reader Screenshot: Ergebnisseite einer Serie mit 105,5 und aktivem M-Knopf, der orangefarbene mittlere Treffpunkt rechts oberhalb der Scheibenmitte; darunter die Auswertung „MPI-Versatz“ mit → 0,45 und ↑ 0,60 und „Korrigiert: 106,6 (+1,1)“, daneben „Trefferkreis“ 7,09 mm und „Mittlerer Radius“ 0,76 mm

Ring Reader misst bei jedem Schuss die Position in Millimetern als x,y-Abweichung von der Scheibenmitte (seitlich und in der Höhe). Die App mittelt beide Werte über die Serie. Das Ergebnis ist ein Punkt. Der M-Knopf unter der Scheibe, im Tooltip „Mittlerer Treffpunkt“, zeichnet ihn in Orange ein. Die Auswertung „MPI-Versatz“ weiter unten zeigt die beiden Abstände zur Scheibenmitte mit Pfeilen für die Richtung, z. B. 0,45 mm nach rechts und 0,60 mm nach oben.

Diese Zahl beantwortet die Frage, wo die Serie sitzt. Wie eng sie sitzt, ist eine andere Frage, und dafür stehen daneben die Auswertungen „Trefferkreis“ und „Mittlerer Radius“. Die horizontale und vertikale Streuung rechnet die App um den mittleren Treffpunkt herum, die Scheibenmitte spielt dabei keine Rolle. Eine Serie kann also extrem klein sein und trotzdem einen halben Ring neben der Mitte liegen. In so einem Fall lohnt ein Blick aufs Visier. Sitzt der Punkt in der Mitte und der Trefferkreis ist groß, ist das Visier korrekt eingestellt, und die Streuung kommt woanders her.

Bei einem Import ohne Schussbild, etwa einem Meyton-Ausdruck, auf dem die Trefferlage als Zahl steht, übernimmt Ring Reader den aufgedruckten Wert. Der M-Knopf zeichnet dann den Mittelpunkt auf die leere Scheibe, und die Auswertung „MPI-Versatz“ zeigt ihn auch, wenn nur ein Teil der Schüsse eine genau ermittelte Lage hat.

Visier oder Technik

Ein Klick am Diopter verschiebt jeden Schuss um denselben Betrag in dieselbe Richtung. Das Erkennungsmerkmal eines Visierfehlers im Schussbild ist, dass der MTP-Versatz immer ähnlich groß ist und in dieselbe Richtung zeigt, egal, ob die Serie gut oder schlecht ist. Auf der Ergebnisseite rechnet die Auswertung „MPI-Versatz“ aus, was dich das an Ringen kostet. Die Zeile „Korrigiert“ zeigt das Ergebnis, das dieselben Schüsse mit einer zentrierten Gruppe gebracht hätten, im Beispiel oben „Korrigiert: 106,6 (+1,1)“. Wie die Zeile entsteht, steht in Was wäre ohne Visierfehler drin gewesen?.

Wie du stehst und schießt, verschiebt den Punkt ebenfalls, jeweils um einen anderen Betrag. Ein anderer Anschlag, ein müder Arm gegen Ende, ein anderer Stand mit anderem Licht oder eine neue Munitionscharge, all das ändert sich von Serie zu Serie, und dann wandert der mittlere Treffpunkt mit. Welche Ursachen Trainer für eine bestimmte Lage der Gruppe als Erstes prüfen, zeigt die Fehlerscheibe.

Was der Verlauf zeigtWoran es eher liegtWas du machen kannst
Der Punkt liegt immer an derselben Stelle neben der MitteVisier oder Anschlag, also etwas, das konstant bleibtKlicks setzen, danach weiter beobachten
Der Punkt springt in verschiedene RichtungenTagesform, Haltung, Licht, KonzentrationAm Visier nichts ändern, im Schussbild nach dem Muster suchen
Der Punkt wandert über Wochen langsam in eine RichtungEtwas hat sich allmählich verändert, etwa der Anschlag oder die MunitionNachsehen, was sich in der Zeit geändert hat
Der Punkt sitzt in der Mitte, der Trefferkreis ist großStreuung, also die TechnikDie Auswertungen zur Streuung lesen, das Visier in Ruhe lassen

Der Verlauf: die Ansicht „MPI-Abweichung“

Ring Reader Screenshot: Auswertung mit Diagrammtyp „MPI-Abweichung“ über zwölf Serien, ihre Punkte als Wolke rechts oberhalb der Scheibenmitte; die letzten acht tragen die Nummern 1 bis 8, die neueste 1 in Rot, ältere über Gelb und Grün bis Blau, die vier ältesten verblasst in Violett

Öffne den Tab „Auswertung“ und wähle die Option „MPI-Abweichung“. Die erste Grafik ist eine Scheibe, auf der jede Serie als Punkt an der Stelle ihres mittleren Treffpunkts liegt. Die Farben reichen von Violett für die ältesten Serien bis Rot für die neuesten; ältere Punkte verblassen. Die letzten acht Serien tragen Nummern, die 1 ist die neueste. An ihnen siehst du auf einen Blick, ob deine Serien um einen Punkt neben der Mitte kreisen oder kreuz und quer liegen. Die Scheibe lässt sich zoomen, weil die Punkte einer guten Woche oft alle innerhalb eines Millimeters sitzen.

Darunter liegt das Diagramm „MPI-Abweichung“ mit zwei Linien über die Zeit, X für die seitliche Abweichung und Y für die Höhe, dazu eine Nulllinie für die Scheibenmitte. Liegt eine Linie dauerhaft über der Null, ist das der konstante Versatz aus der ersten Zeile in obiger Tabelle. Schwankt sie um die Null, gilt die zweite Zeile für dich. Das dritte Diagramm „|MPI|“ zeigt nur noch den Abstand des Punkts zur Mitte, ohne Richtung, und beantwortet damit die Frage, ob der Versatz insgesamt kleiner wird.

Beide Verlaufsdiagramme haben einen gleitenden Durchschnitt, dessen Fenster du unter „Gleitender Durchschnitt (Serien)“ zwischen 12 und 60 Serien wählst. Er wird erst eingezeichnet, wenn mehr Serien vorliegen, als das Fenster umfasst. Ein Tipp auf einen Eintrag der Legende blendet die Linie aus, und wenn du mit dem Finger über einen Punkt fährst, wird dieselbe Serie in den anderen beiden Diagrammen hervorgehoben.

Woher die Positionen kommen

Für den mittleren Treffpunkt braucht jede Serie Schusspositionen. Bei fotografierten Scheiben misst Ring Reader sie aus den Löchern. Aus anderen Ergebnissen z. B. von Meyton- und DISAG-Anlagen rekonstruiert die App sie so gut wie möglich. In die Verlaufsdiagramme fließen nur Serien mit ermittelten Schusspositionen ein. Welches Format welche Daten liefert, steht im Kapitel Unterstützte Formate.

Der nächste Schritt

Mit Ring Reader Pro beantwortet die Ansicht „Erkenntnisse“ die Frage nach dem Visier über dein gesamtes Archiv. Die Auswertung „Liegengelassene Ringe“ verschiebt jede Serie rechnerisch in die Mitte und nennt den Gewinn in Ringen pro 10 Schuss, sobald fünf Serien mit Schussbild vorliegen und der Gewinn über die Serien hinweg stabil ist. Wie die sechs Auswertungen funktionieren, steht in Erkenntnisse: sechs Auswertungen.

Wenn du danach am Visier justierst, halte die Klicks fest. Das Waffenprofil hat dafür den Eintrag „Visier-Klicks“, und in den Trainingsdetails jeder Serie stehen unter „Ausrüstung & Setup“ die Felder „Klicks H“ und „Klicks V“. Änderst du ein Profil, das schon früheren Serien zugeordnet ist, legt Ring Reader eine neue Version an. Die alten Serien behalten natürlich ihr Setup.

Im Polardiagramm siehst du in den nächsten Wochen, ob der mittlere Treffpunkt in die Mitte gerückt ist. Wie du die Anzahl der Klicks an deinem Visier genau berechnest, steht in Visier justieren mit Zahlen. Der Klick-Rechner rechnet den Versatz direkt in Klicks um.

Häufige Fragen

Wie viele Serien brauche ich, bevor ich dem Verlauf traue?

Für das Polardiagramm reichen ein paar Serien, um ein Muster zu sehen. Der gleitende Durchschnitt zeichnet erst ab mehr Serien, als sein Fenster umfasst. Bei der kleinsten Einstellung auf 12 also ab 13 Serien. Die Auswertung „Liegengelassene Ringe“ rechnet ab fünf Serien mit Schussbild und gibt erst dann ein Ergebnis, wenn der Befund statistisch trägt.

Gilt das auch für Auflage?

Ja. Aufgelegt sind die Gruppen viel enger, deshalb fällt ein Versatz von einem halben Millimeter dort stärker ins Gewicht als freihändig. Ring Reader rechnet Auflage und Freihand nie zusammen; in der Auswertung filterst du nach Disziplin.

Warum steht bei meiner importierten Serie ein MPI, aber kein Schussbild?

Manche Ausdrucke tragen die Trefferlage als Zahl, ohne die einzelnen Schüsse zu drucken. Ring Reader übernimmt diese Zahl und zeichnet den Punkt über den M-Knopf auf die leere Scheibe. Ein Schussbild entsteht daraus nicht, und in den Verlaufsdiagrammen fehlt die Serie, weil dort nur Serien mit Schussbild berücksichtigt werden.

Öffne die Auswertung und stell den Diagrammtyp auf „MPI-Abweichung“.

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